Gewohnheiten – Feind oder Freund?

Gewohnheiten – Feind oder Freund?

Wir alle kennen es; Zähne putzen, Schuhe binden, mit dem Auto zur Arbeit fahren – so unterschiedlich diese Szenarien auch sein mögen, so haben sie doch alle eine Gemeinsamkeit. Sie begleiten uns Tag für Tag und bestimmen den Alltag; unsere Gewohnheiten.

Doch, was sind Gewohnheiten überhaupt?

[Ge·wo̱hn·heit] – |engl. habit, routine| – „(unbewusst) automatisch ablaufende Handlung, Selbstverständlichkeit“

Sie geschehen weitgehend automatisch und doch haben sie einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben. Im Jahr 2006 fanden Forscher der Universität in North Carolina heraus, dass über 40 % unserer täglichen Gewohnheiten nicht auf bewusste Entscheidungen zurückzuführen sind. Sie verlaufen meist alle in einem psychologischen Muster ab und sind demnach auch oft unvernünftig. Es fällt uns schwer, unsere jahrelangen Angewohnheiten zu ändern und neu anzugehen.

Doch ohne diese, wäre unser Gehirn schlichtweg überfordert. Nehmen wir an wir müssten alle Entscheidungen an einem Tag bewusst treffen;

Welche Socke ziehe ich zuerst an? Schraube ich die Zahnpastatube nach links oder recht auf? Zuerst schalten, kuppeln oder bremsen?

Laut Erkenntnissen der Forscher und Psychologen der Universität in Hamburg ergibt sich dazu folgende Aussage; „Das Gehirn spart mit Gewohnheiten Energie ein“

Diese eingesparte Energie benötigen wir, um in Stresssituationen blitzschnell zu entscheiden und Risiken zu minimieren. Doch wie entwickeln sich unsere Gewohnheiten und was passiert bei diesem Prozess in unserem Gehirn?

Angewohnheiten und daraus entstehende Routinen entwickeln sich durch ständige Lernprozesse. Nehmen wir an wir fahren zum ersten Mal Auto. Die volle Aufmerksamkeit richtet sich auf Kupplung, Bremse, Gas und die Straße. Dabei ist der vordere Gehirnteil aktiv, der für das Bewusstsein und das rationale Denken zuständig ist. Wenn die erste Fahrt geschafft ist, sind wir meist unzufrieden mit uns, denn die Realität holt uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Prinzipiell fallen uns Dinge, die wir zum ersten Mal machen, viel schwerer, als wir erhofft haben.

Trotz alle dem entsteht eine Motivation, die uns vorantreibt, es nächstes Mal besser zu machen. Die Folge daraus ist Wiederholung. Aus Wiederholung entsteht Routine. Mit der Zeit wird das volle Bewusstsein für Kupplung und Gas nicht mehr im vollen Umfang benötigt, dies entsteht allmählich ganz von selbst. Das Autofahren wird nun als automatisches Programm abgespeichert und unser Gehirn befindet sich dabei im Entspannungsmodus.

Die Wichtigkeit der Gewohnheiten zeigt sich zudem bereits in den ersten zehn Lebensjahren. Verhaltensforscher der Universität in Georgia, konnten zeigen, dass Kinder ohne Routinen, wie z.B. feste Esszeiten im Alltag, in späteren Lebensabschnitten vermehrt Angst vor neuen und unvorhersehbaren Situationen entwickeln.

Gewohnheiten geben uns demnach ein stabiles Fundament, denn die ständige Wiederholung einer Erfahrung vermittelt uns Sicherheit.

Im nächsten Blogeintrag gehen wir auf die „positive“ und „dunkle“ Macht der Gewohnheit ein.

Bis dahin, Euer Nippon Fitness

Quellen:

Berger, R. (2003). Gewohnheit, Sucht und Tradition. Universität Leipzig, 9 – 11.

Wood, W. & Rünger, D. (2016). Psychology of Habit. Annual Review of Psychology, 67 (1), 289 – 314.

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